2.1.6.1 Geschichte der Stadt
Im Jahre 710 verlegte die Kaiserin Gemmein-Tenno die Hauptstadt Japans nach Nara. Dies war der Beginn der Nara Zeit (710-784). Aus dieser Periode stammen die mächtigen Tempelanlagen, die die Zeit bis heute überstanden haben. Als die Hauptstadt nach Kyoto verlegt wurde, verlor Nara an Bedeutung, doch die Shinto Schreine und buddhistischen Tempel bauten ihre Macht weiter aus.
Bei einem Angriff der Taira (einflussreiche Clanfamilie) im Jahre 1180 wurde ein großer Teil der Stadt zerstört und im Anschluss wieder aufgebaut. Offiziell gegründet wurde Nara in der heutigen Verwaltungsform am 1. Februar 1898. An der Stadtarchitektur kann man noch heute den chinesischem Einfluss erkennen, denn Nara wurde nach der Vorlage der chinesischen Stadt Chan´gan errichtet.
2.1.6.2 Die Stadt heute
nach oben
Wegen der vielen alten und noch gut erhaltenen Tempel ist Nara heute ein beliebtes Touristenziel. Man begegnet fast überall in der Stadt aus- und inländischen Touristen, wie auch Schulklassen. Nara ist kleiner als beispielsweise Kyoto und Tokio und hat somit eine ganz eigene Atmosphäre, die man sich bei einem Japanbesuch nicht entgehen lassen sollte. Auch heute ist Nara noch Zentrum der Tuschindustrie und produziert jedes Jahr 6 Mio. Tuscharbeiten, damit werden 90% des Marktanteils nur von Nara allein gedeckt.
2.1.6.3 Geographische Lage
nach oben
Heute ist Nara die Hauptstadt der Präfektur Nara und liegt im äußersten Norden der Präfektur, im Nara- Talkessel. Osaka liegt im Westen und ist ca. 35 km entfernt. Die Präfektur Nara liegt im Süden der Hauptinsel Honshu, im alten Kernland Yamato. In der Stadt leben heute um die 370.000 Einwohner.
2.1.6.4 Sehenswertes
nach oben
Kofuku- ji- Tempel
Der Tempel wurde 669 gegründet und von seinen damals 175 Bauten sind nur noch wenige erhalten. Die einst niedergebrannte fünfstöckige Pagode wurde zuletzt im Jahr 1426 neu errichtet. Insgesamt ging die Pagode fünfmal in Flammen auf. Fast genauso alt ist die östlich gelegene Goldhalle, in der sich ein paar kostbare Statuen befinden. Das Schatzhaus beherbergt eine der prächtigsten Sammlungen buddhistischer Kunst des Landes, wie eine wunderbare Ashura Statue.
Todai- ji- Tempel
Das Gelände des Tempels besteht aus einer großen Buddha Halle, Pagoden, Untertempeln, Hallen und Toren von besonderem architektonischem und historischem Interesse. Der Bau des Tempels war ein Befehl von Kaiser Shomyo, beendet wurde er 752. Gebaut wurde er, um die große Buddha- Statue von Nara aufzunehmen, allerdings auch um die Stellung der Stadt als mächtiges Zentrum und Hauptstadt des Buddhismus zu stärken. Die Statue ist gut erhalten und noch heute wird die 16 m hohe Figur regelmäßig abgestaubt. Dazu klettern vier bis fünf Mönche in die Handfläche des Buddhas. Die Statue ist die weltweit größte Buddhadarstellung aus Bronze.
Nationalmuseum Nara
In dem Beaux-Arts Gebäude von 1870 gibt es eine Dauerausstellung, die man besichtigen kann. Im modernen Anbau gibt es Sonderausstellungen. Ausgestellt werden Gemälde, Kalligraphien, buddhistische Skulpturen und Gegenstände aus Sutra Grabhügeln. Die meisten Objekte sind aus der Heian und Nara Zeit. Jedes Jahr im Oktober und November werden im Museum seltene Schätze aus dem Shoso-in, einem Lagerhaus der Todai-ji Anlage ausgestellt, darunter ist auch die Privatsammlung des Kaiser Shomus. Das Lagerhaus beheimatet über 9.000 kostbare Exponate, die teilweise aus Mittelasien und Persien kommen.
Großer Kasuga- Schrein
Der Schrein ist einer der am häufigsten fotografierten Shinto Stätten. Er wurde zum Schutz für die Gründerfamilie Fujiwara errichtet. Vollendet wurde der Bau 710, nach den Shinto Regeln von Erneuerung und Reinheit wurde der Schrein alle 20 Jahre zerstört und wieder originalgetreu nachgebaut. Bis 1863 wurde dies 50-mal durchgeführt. Der Weg zum Schrein ist von rund 3.000 Bronze- und Steintalern gesäumt. Laternen, die von normalen Menschen als Zeichen ihrer Dankbarkeit und ihres Glaubens gespendet wurden, leuchten Anfang Februar und Mitte August, es ist ein prachtvolles und beeindruckendes Ereignis.
Horyu- ji- Tempel
Dieser Tempel gilt als Wiege des japanischen Buddhismus und befindet sich ca. 10 km südwestlich von Nara. Er enthält einige der ältesten Holzbauten der Welt. Sie sollen aus dem 7. Jahrhundert stammen. Errichten ließ den Tempel der Prinz Shotoku (573-621). Mit dem Bau wurde versucht den Buddhismus neben dem Shintoismus als zweite Säule des japanischen Glaubens zu etablieren.
Die Pagode auf der Anlage ist nicht nur eines der ältesten Gebäude des Tempels, sondern auch das Älteste seiner Art im ganzen Land. Sie wurde im chinesischen Stil erbaut, der sich von den buddhistischen Stupas (Denkmal bzw. Symbol für Buddha) aus dem alten Indien ableitet. Die fünf Ebenen der Pagode sollen höchstwahrscheinlich für die fünf Elemente stehen.
unten
Ebene 1: Erde
Ebene 2: wasser
Ebene 3: Holz
Ebene 4: Luft/ Wind
Ebene 5: Himmel
oben