Klischees

Leider weiß man in der westlichen Welt viel zu wenig über das schöne Land Japan. Die Japaner selber wissen hingegen um einiges mehr über unser Europa. Wie um alle Länder, ranken sich auch um Japan einige Klischees, die nicht immer zutreffen.

Ein Klischee ist, dass Japan ein Arbeitsstaat ist, in dem sogar Beamte bis tief in die Nacht arbeiten. Dies kann in Einzelfällen stimmen, allerdings liegt die Arbeitszeit im Durschnitt im Vergleich zu anderen Ländern nicht viel höher. Die Arbeitszeiten in Amerika sind beispielsweise länger, als die in Japan.

Es stimmt zwar, dass es in Japan eine hohe Bevölkerungsdichte gibt, aber von Wohnungen wie Kaninchenställe (so bezeichnete die französische Premierministerin Edith Cresson in den 8oern die Wohnungen in Japan) kann keine Rede sein. Der größte Teil Japans kann aufgrund von Wäldern, Gebirgen und anderen unbewohnbaren Gebieten nicht bebaut werden. Aus diesem Grund leben die 126 Mio. Japaner in den Ballungsgebieten, wo es zwar ziemlich eng werden kann, aber aufgrund der dort herrschenden Disziplin, kommen Japaner auch mit wenig Raum gut aus.

Ein weiteres Klischee ist die Vorstellung über das Land an sich. Viele denken bei Japan sofort an alte Tempel, Kimonos, Geishas und Samurais. Dies ist aber ein sehr veraltetes Bild von Japan, denn diese Dinge haben nicht mehr viel mit dem heutigen modernen Japan zu tun. Natürlich gibt es noch traditionelle Teezeremonien, Tempel, Geishas und Kimonos, doch haben diese Dinge in der heutigen Zeit eine andere, nicht mehr so große Bedeutung, wie früher. Samurais im klassischen Sinne gibt es auch in Japan nicht mehr, allerdings werden oft die Mitarbeiter großer Firmen als Wirtschafts-Samurais bezeichnet.

Wer denkt, dass Japaner stets ruhig und zurückhaltend sind, der sollte nach Feierabend ein japanisches Lokal besuchen, dort sieht man ausnahmslos fröhliche Menschen, die ausgelassen und vor allem laut feiern. In einem solchen Lokal kann es lauter zugehen, als in einer italienischen Kneipe während der Fußballweltmeisterschaft.

Schon fast nicht mehr als Klischee, sondern als Tatsache zu bezeichnen ist, dass alle Japaner ein Peacezeichen mit den Fingern formen, wenn sie fotografiert werden. Diese Geste ist so selbstverständlich, dass sogar sehr alte Japaner diesem Reflex folgen oder sogar mit beiden Händen dieses Zeichen formen. Warum dies so ist,  weiß wohl niemand so genau.

Oft hört man davon, dass man den Gegenstand, den man in der Wohnung eines Japaners bewundert als Gastgeschenk zum Abschied überreicht bekommt. Dies kann tatsächlich vorkommen, allerdings ist diese Annahme etwas übetrieben. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte wohl eher unbewegliche Dinge, wie ein Treppengeländer oder Ähnliches bewundern.

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